„E-Mails über den Zaun werfen“ beschreibt ein Kommunikationsmuster, bei dem Informationen weitergeleitet werden, ohne zu prüfen, ob sie ankommen, verstanden werden oder eine Reaktion auslösen. Die E-Mail gilt als Beweis, dass kommuniziert wurde, nicht als tatsächliches Kommunikationsinstrument.
Herkunft des Begriffs
Das Bild stammt aus dem Alltag: Man wirft etwas über einen Zaun, und geht davon aus, dass es auf der anderen Seite ankommt. Was dort passiert, ob es aufgefangen wird, ob es verstanden wird, ob eine Reaktion folgt, bleibt unbeobachtet. In der Unternehmenskommunikation übernimmt die E-Mail genau diese Rolle.
Typische Szenarien in IT-Projekten
- Der Fachbereich schickt ein Anforderungsdokument an die IT, und wartet auf Umsetzung, ohne Rückfragen zu erwarten.
- Die IT informiert Stakeholder per Mail über den Projektstatus, und wertet Schweigen als Zustimmung.
- Der Projektleiter eskaliert schriftlich, ohne vorher das direkte Gespräch gesucht zu haben.
Warum dieses Muster Projekte kostet
Kommunikationsreibung entsteht genau dort, wo Informationen weitergeleitet statt vermittelt werden. Laut einer Studie des Project Management Institute (PMI) sind bis zu 56 % der IT-Projektkosten auf unzureichende Kommunikation zurückzuführen, nicht auf technisches Versagen oder mangelnde Kompetenz. Das Muster „über den Zaun werfen“ ist einer der häufigsten Treiber dieser Reibung: Es erzeugt Schnittstellenprobleme zwischen Fachbereich, IT, Dienstleistern und Führung, die sich erst spät — und teuer — zeigen.
Verbindung zum WERT³-Modell
René Schröder hat dieses Muster in seinem Buch E-Mails über den Zaun werfen ist keine Kommunikation (2026) systematisch untersucht. Der WERT³-Index macht Kommunikationsreibung messbar: Er zeigt, wo in der Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen echte Wertschöpfung verloren geht, und wie Teams gezielt gegensteuern können.
Was hilft stattdessen
Kommunikation ersetzt Information. Statt Nachrichten zu versenden, die den Empfänger in Empfang nehmen sollen: Gespräche suchen, Rückmeldeschleifen einbauen, Verständnis aktiv überprüfen. Der Unterschied liegt nicht im Medium, sondern im Ziel. Eine E-Mail kann kommunizieren. Sie kann es aber auch nicht.